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Über Gabriele Hänsel

Ich bin's, wer mich kennt, weiß auch wer ich bin.

Hochschulsekretärinnen hoch auf E9 TV-L!

Zum 1. Mai 2016 verteilten wir auf der Mai-Demo diesen Text als Flugblatt:

Ich bin Hochschulsekretärin. Ich übe einen Beruf aus, den es offiziell gar nicht gibt. Tatsächlich aber finden Sie mich und hunderte meiner Kolleginnen an jedem Lehrstuhl, jedem Institut und jeder Fachbereichsverwaltung.
Ein Gespenst geht um in der  Universität

Wie das sein kann, fragen Sie sich? Ich stelle mir fortwährend die selbe Frage. Nach den Regeln des Tarifvertrages (Tarifvertrag Länder), der im Öffentlichen Dienst zur Anwendung kommt, gehört meine Arbeit in die Entgeltgruppe 9 (brutto 2.800 Euro). Aber diese Bezahlkategorie wird mir verwehrt. Obwohl sich das Berufsbild radikal verändert hat, findet sich mein Beruf nicht im Tarifvertrag wieder. Ich bin ein Gespenst, das umgeht in der Universität …
Das Tarifrecht ist ein zähes Geschäft, zunächst muss eine sachgerechte Aufgabenbeschreibung her, „BAK“ genannt (Beschreibung des Aufgabenkreises). Diese zu erstellen ist eine Wissenschaft für sich, und die Sorge groß, dass man dabei etwas falsch machen könnte, ja, womöglich hinterher schlechter gestellt sein könnte als zuvor. Nicht selten unterbleibt es daher, die tatsächlich geleisteten Aufgaben zu dokumentieren.

Hochschulsekretärin – ein Beruf mit Zukunft

Wissenschaft und Forschung sind einer der wenigen Rohstoffe, die dieses Land besitzt. Und: wir haben es in der Hand diesen Rohstoff zu vermehren, also tun wir es auch. In unserer Stadt (siehe Web-Link Hochschulen in Berlin) gibt es 4 Universitäten, wir haben 5 Fachhochschulen und 3 weitere Kunsthochschulen. Alles in allem befinden sich nur in öffentlicher Hand 12 Hochschulen. Dazu kommen weitere öffentliche Forschungseinrichtungen wie die Leibnitz-Gemeinschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft, und last-but-not-least haben 5 Max-Planck-Institute ihren Sitz in Berlin. Alle diese Institutionen benötigen Verwaltungspersonal, das auf ihre sehr speziellen Bedürfnisse hin ausgebildet ist. (Drittmittelverwaltung sei hier nur als ein Stichwort angebracht.)

Denn sie wissen nicht, was wir tun

Jedes Kind weiß, dass sich gerade in den Büro- und Verwaltungsberufen eine Revolution abgespielt hat, seit der PC allüberall eingesetzt wird, Rechnungswesen nicht mehr in staubigen Buchhaltungen stattfindet, sondern zeitgleich abgebildet wird. In den Sekretariaten gibt es kein Abtippen und Stenografieren mehr. Stattdessen wird ein breites Spektrum von Know-How eingesetzt, was ein hohes Maß an Flexibiltät und intelligentem Zeitmanagement erfordert. Die zunehmende Arbeitsverdichtung hat einerseits stupide Tätigkeiten verdrängt, aber bereichert den Arbeitsalltag durch Herausforderungen, diese Aufgabe zu meistern. Diese Bereicherung hat leider nur im Aufgabenspektrum stattgefunden, nicht im Portemonnaie der Hochschulsekretärin. Und genau dafür wird es jetzt Zeit.

Neues finanzielles Outfit für die
Hochschulsekretärin

In einer internationalen Netzwerk-Universität beherrschen wir die Englische Sprache, quasi als „Grundrauschen“. Jederzeit kann ein Anruf oder eine e-Mail hereinkommen, ein Gastwisssenschaftler fragt mich etwas. Selbstverständlich ist Englisch unsere Lingua Franca. Daher sind die meisten Hochschulsekretärinnen als sogenannte „Fremdsprachensekretärinnen“ eingruppiert (ca. 2.400 Euro). Wie man sieht, deutlich unter der E9, die uns eigentlich gebührt. Monat für Monat entgeht uns Hochschulsekretärinnen Einkommen in Höhe von 400 Euro und mehr (je nach den Berufsjahren).
Damit dieser Beruf uns auch die Zukunft bietet, die er in sich trägt, muss tunlichst eine verbindliche Berufsbezeichnung her. Diese muss mit der 9er Entgeltgruppe verknüpft sein.
Die Nachfrage übersteigt heute bereits das Angebot; angesichts des Personal-Engpasses im Öffentlichen Dienst muss man dafür kein Hellseher zu sein. Ein gewichtiges Argument für die öffentlichen Arbeitgeber, unseren Vorschlag entgegenkommend aufzunehmen.

4 Briefmarken sind schon ein Problem

Als Hochschulsekretärin finde ich mich recht häufig in Situationen, wo ich völlig auf mich allein gestellt, gezwungen bin, meine Rechte zu vertreten. Nicht selten fällt dies in Konfrontation mit dem direkten Vorgesetzten sehr schwer, will man doch das gute Verhältnis nicht ohne Not aufs Spiel setzen.

Briefmarken? Gibt es nicht an der Uni, jedenfalls nicht schnell mal eben (ich sage nur: UNIKAT). Da es -wieder einmal- eilte, ob zu Recht oder nicht, kann ich ja nicht beurteilen, mussten die Briefmarken her. Also per Internet bestellen und fix mal eben ausdrucken. Der Prof. gab seine Bank-Zugangsdaten, damit ich den Bezahlvorgang abschließen konnte.  Aber ich hätte dann seine Bankzugangsdaten, ich kann sie ja nicht auf Befehl wieder vergessen. Er meinte auch noch ganz süffisant: nicht dass Sie dann heute Abend bei e-bay ganz viel bestellen! Er hat es sicherlich spaßhaft gemeint. Aber bei Geld hört bei mir der Spaß auf. Ich habe es abgelehnt und ihn gebeten, das selbst in die Wege zu leiten.

Nun ist er richtig sauer geworden und hat meine Service-Einstellung in Zweifel gezogen und meinte, ich solle mal überlegen, ob ich bei ihm noch richtig sei.

Daraufhin habe ich an den Personalrat diese Bitte auf eine verbindliche rechtliche Auskunft gerichtet:

Sind wir verpflichtet, als abhängig Beschäftigte, private Bank-Zugangs-Daten unserer jeweiligen Vorgesetzten zu verarbeiten?

Die Antwort des Personalrats auf meine ausführlich gestellte Anfrage kam promt:

„… Die Weitergabe der persönlichen Bankdaten, sowie von Passwörtern sind eine Pflichtverletzung gegenüber dem Datenschutz. Jede/r Professor/Professorin haftet persönlich für die Folgen. Die Sekretärin muss diese Aufgaben nicht annehmen und kann ablehnen. Die Personalstelle steht ihr zur Seite! …“

… außer in Scheißjobs!

Martenstein hat es am Sonntag zitiert: "Gleichheit und Gerechtigkeit ist für den Feminismus ein Fünfzig-Prozent-Frauenanteil, außer bei Scheißjobs".  Ich kann das bestätigen. Hochschulsekretärinnen sind vor allem weiblich, es gibt (fast) keine Männer in dem Job.

Wie kommt das? Hier, an der Freien Universität Berlin, sind die Jobs der Hochschulsekretärin so konzipiert, dass es Halbtagsstellen sind, die angeboten werden. … außer in Scheißjobs! weiterlesen

Nach Ostern ist das nächste Treffen geplant

Samstag, den 7. März 2015 um 20.00 Uhr @ „Escargot“, Brüsseler Straße 39, 13353 Berlin

Denn sie wissen nicht, was wir tun …

Was eigentlich tut die Hochschulsekretärin? Das ist eine Frage, die sich nicht so fix beantworten lässt, sind doch die Arbeitsgebiete von Professur zu Professur unterschiedlich. Schon jede Universität hat ihre Eigenheiten, man denke da nur an die Verwaltungsabläufe und die stark divergierenden Softwares, welche zur Umsetzung der Abläufe eingesetzt werden.

Die Vielfalt der Aufgaben ist ein wesentliches Merkmal der Arbeit einer Hochschulsekretärin, das allen gemeinsam sein dürfte: Denn sie wissen nicht, was wir tun … weiterlesen

Von der Schreibkraft zur Arbeitsgruppenmanagerin

Es war einmal ein Professor, der hatte eine Sekretärin, die ihm morgens den Kaffee brachte, aus seinen handschriftlichen Aufzeichnungen schöne Briefe machte, die Druckfahnen seines neuen Buches redigierte und studentische Anfragen rigide mit dem Terminkalender in Übereinstimmung brachte.

Und heute?

Geändert hat sich viel im Aufgabenspektrum des wissenschaftsunterstützenden Personals. Briefe werden nur noch selten geschrieben, meistens verfassen die Wissenschaftler ihre E-Mails selbst. Studentische Anfragen werden durch elektronische Terminvergaben strukturiert und den Kaffee holt sich jeder selbst aus dem Automaten. Diese Umverteilung „klassischer“ Sekretariatsaufgaben klingt eigentlich nach so viel Entlastung, dass es gar nicht auffallen dürfte, dass nur der glückliche Inhaber einer Planstelle „seine“ „halbe“ Sekretärin hat. Leider ist die Realität wie immer anders. Eine Arbeitsgruppe hat heute neben den drittmittelfinanzierten Wissenschaftlichen Mitarbeitern auch noch Junior-, Gast- und Sonderprofessoren, denen keine persönliche Bürokraft zur Verfügung steht. Von der Schreibkraft zur Arbeitsgruppenmanagerin weiterlesen

Eine Sekretärin ist nicht ein Idiot!

Es gibt im Moment in diesem Beruf einen Tiefpunkt. Hochschulsekretärin hört sich ganz fein an. In den letzten Jahren ist dieses Berufsbild heruntergewirtschaftet worden, wie so vieles im sogenannten Öffentlichen Dienst.

Als ich vor 20 Jahren bei der FU aufhörte, hatte ich eine Vollzeitstelle und war in Vb eingruppiert, heute wäre das E9. Letztes Jahr kam ich zurück an die FU und erlebte folgendes:  Ausgeschrieben waren lediglich halbe Stellen, Vergütungsgruppe E6 oder E7. Na gut, habe ich mir gedacht, aller Neu-Anfang ist schwer, versuchst Du es mal. Dann die zweite Überraschung: Als Wiederkehrerin wurde meine gesamte Berufserfahrung – immerhin 30 Jahre – verworfen. Als hätte jemand den Stöpsel gezogen, war mein Gehalt auf das Niveau einer Berufsanfängerin gesunken. Wie kann denn so etwas sein? Eine Sekretärin ist nicht ein Idiot! weiterlesen